Arabischer Investor kauft Flughafen Cochstedt

Kategorie: Archiv
Veröffentlicht: Dienstag, 18. November 2014 00:03
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Land Sachsen-Anhalt kooperiert mit Investoren aus Abu Dhabi

Magdeburg - Der Finanzausschuss des Landtags von Sachsen-Anhalt hat am Mittwoch dem Verkauf des früheren sowjetischen Militärflughafens Cochstedt nahe Magdeburg an einen großen Investmentfonds aus dem Emirat Abu Dhabi zugestimmt, der den Flughafen zu einem Frachtflug-Drehkreuz ausbauen will. Nur die Abgeordneten der Linkspartei enthielten sich der Stimme. Ohne die Zustimmung des Ausschusses hätte der Verkauf nicht erfolgen können.

Wirtschaftsminister Haseloff (CDU) sagte, der schon im internationalen Frachtflugverkehr tätige Betreiber wolle ein mittleres Frachtflugzentrum "für Güter jeglicher Art" aufbauen, sobald die Genehmigungen für Landungen größerer Flugzeuge im 24-Stunden-Betrieb erteilt seien. Trotz der schwierigen Marktlage im Luftverkehr und der Nähe zum Flugkreuz Leipzig/Halle sei das Betreiberkonzept realistisch. Bis zu 200 Arbeitsplätze sollen in der Region entstehen. Neun Millionen Euro soll der Fonds, der auch Mittel arabischer Staaten verwaltet, als Kaufpreis für den Flughafen entrichten. Trotz der 60 Millionen Euro, die der alte Betreiber und das Land Sachsen-Anhalt bisher für den Flughafen ausgegeben haben, gilt dieser Preis als marktgerecht, weil der neue Betreiber nach Schätzungen 30 bis 60 Millionen Euro für den Ausbau der Infrastruktur aufwenden muss.

Die sowjetischen Besatzungstruppen hatten 1957 den Flughafen 37 Kilometer südlich von Magdeburg nahe der innerdeutschen Grenze als Stützpunkt ihrer Luftstreitkräfte eingerichtet; 1968 und 1997 war die Landebahn verlängert worden und ist heute 3000 Meter lang und 45 Meter breit, so dass auch Großraumflugzeuge in Cochstedt landen können. Schon vorhanden sind unter anderem Abfertigungsgebäude und ein Tower mit Instrumentenlandesystem. Ein früherer Betreiber hatte 2001 Insolvenz angemeldet, auch waren die Eigentumsverhältnisse an dem Gelände diffus. Der Flughafen Cochstedt war schließlich zu einem Symbol fehlgeschlagener staatlicher Investitionen geworden. Über fünf Jahre hatte die Landesregierung mit insgesamt 70 Interessenten verhandelt. Unter anderem war man mit dem Versuch gescheitert, den Flughafen in die Mitteldeutsche Airport Holding einzubinden, die die Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden betreibt. Nun hofft das Land auf den Bau eines neuen Gewerbegebiets im strukturschwachen Salzlandkreis; der "strategische Investor" aus Abu Dhabi sei in aller Welt auf zahlreichen Wirtschaftsfeldern aktiv und denke langfristig.

Quelle: FAZ Magdeburg 28.1.09